Das eigentliche Interview

Während ich so überlegte, wohin ich denn gerufen werden würde vom Konsul, fragte ich mich, ob ich denn noch "in time" zum Doktor kommen würde. Bekanntlich macht der nämlich um 11 Uhr zu. Und ob das nicht ein schlimmes Gehetze geben würde, inkl. Verfahren mit der mir vollkommen fremden U-Bahn.

Außerdem bereitete ich mich vor, dem Konsul alles mögliche zu erzählen, z.B. Gründe für die Auswanderung, was ich/wir so planen zu machen in den USA usw usf. Lt. Webseite ist es nämlich das, was sie wissen wollen und erwarten, dass man es ihnen erzählt, ohne speziell gefragt zu werden. Jedenfalls hatte ich das angenommen nach gründlichem Lesen des Textes.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Konsul mich aufrief. Ich wurde in kein Zimmer mit blauem Teppichboden gerufen, um auf irgendwelchen Rokoko-Stühlchen Platz zu nehmen und einen Knicks zu machen - wie ich eigentlich erwartet hatte... nein, der Konsul saß wie alle anderen an so einem Schalter.

Ich dachte immer, es gibt nur einen Konsul? Gibt es vielleicht mehrere, die so heissen? emotion 

OK, er begrüsste mich mit "How are you?" Und weil ich noch so verwirrt war, dass ich in kein Zimmer mit blauem Teppichboden und Möbeln aus Edelholz gerufen worden war, fiel mir nicht sofort die passende Antwort ein. Daraufhin schaute er mich sehr böse an. Zum Glück fiel es mir dann doch noch ein und ich gab ihm ein "Fine, thank you." als Antwort.

Als nächstes sollte ich meine Finger auf dieses Gerät auf dem Tresen legen. Es war ungefähr bis zur Mitte hellrot, also legte ich nur die Fingerspitzen darauf, exakt bis zur Mitte. Sofort herrschte er mich an, ich solle die GANZEN Finger darauf legen. OK, tat ich dann. Danach die andere Hand. Dann sagte er mir, ich solle auf die Hand nun meine andere Hand legen und zwar exakt jeden einzelnen Finger auf den entsprechenden Finger der anderen Hand und kräftig dagegen drücken. HÄH?! Wozu denn das? emotion 

Eine Erklärung gab es nicht. Irgendwann war er dann wohl zufrieden. Als nächstes hielt er meinen Antrag in die Höhe meiner Augen vor die Sichtscheibe und fragte barsch: "Hast Du den ausgefüllt?!" Ich beugte mich etwas vor, um irgendwas zu entziffern, aber er hatte den schon wieder runtergenommen. "Öhmm... ja... I guess..." OK. "Dann halte jetzt Deine Hand in die Höhe, wie ich es tue und sprich mir nach: ...."

Ich hielt meine linke Hand in die Höhe wie er es tat und sprach ihm nach. Erinnern kann ich nur die Passagen: "I swear..." und "to the best of my knowledge."

Ich fragte ihn, was er denn bzgl. des Affidavit of Supports wissen wolle und ob ihm dieses Papier (WII im Original aus 2009) fehle. Wir hatten nur eine Kopie geschickt, vielleicht wollten sie das Original?

"Oh, we've got that... we've got that." Und er rügte mich, dass er darauf noch im Verlauf des Interviews kommen würde. Dabei schaute er mich immer wieder böse an.

Dann fing er an, Fragen zu stellen. "Wie habt Ihr Euch kennen gelernt?" - Uhm, ich sagte ihm, über das Internet auf der Webseite unserer Lieblingsband. - "Wie heisst die?" - So und so - Das schrieb er nieder. "Wie lange kennt Ihr Euch?" - 10 Jahre.

Das nächste war, dass er fragte, ob wir uns Geschenke gemacht hätten.

HÄH?! Wer würd mir schon was schenken... tehehe...

Ich dachte an das Ticket letztes Jahr Weihnachten, DAS hätte eigentlich das Geschenk sein sollen für meinen SP.

Wir entschieden aber, dass das zu teuer war und wir besser unsere Ersparnisse zusammen halten für die Auswanderung. Also sagte ich "Nein." - Das machte ihn fuchsteufelswild.

Sorry, ich hatte vergessen, dass ich noch in letzter Minute ein Paket nur für SP gepackt hatte. Inhalt: 3 CDs (Metal Compilitation), gebrannte Mandeln und Knödel (die liebt er!). Aber das war ja mehr ein "Trostpreis" und nicht wirklich ein Geschenk, oder?

Dabei hatte ich noch extra diese Aufkleber gekauft, Weihnachtsmänner, Elche usw., um damit den Umschlag zu verzieren, damit er so hübsch aussieht wie Becky's (seine Mum), die sie mir/uns immer schickt. Außerdem fragte ich die Post-Trulle, ob das denn noch rechtzeitig ankommen würde.

Auch hat SP mir selbstverständlich vorher Weihnachtspakete geschickt, einen rosanen Teddy (den ich Samantha nannte). der "Made in China" war, was uns endlose Belustigung einbrachte, angesichts der Strecke, die Samantha schon "getravelt" war und ob sie wohl eines Tages den ganzen weiten Weg zurück in die USA "traveln" würde. Der weitgereisteste Teddy-Bär der Welt offenbar. Außerdem verpasste ich ihr ein paar Höschen. (Auch musste sie zunächst ein paar Tage in der dunklen Abstellkammer ausharren, bevor sie wieder ins Licht durfte, aber das ist eine andere Story), des Weiteren schenkte Sam mir eine Duftlampe, Lavendel und Kokus-Duftöl, Sandalen und Boots aus Leder, einen Business-Suit und einen schönen warmen Plüsch-Mantel.

Aber als der Konsul fragte, ob wir uns "Christmas/B-Day-Gifts" geschenkt hätten gegenseitig, fiel mir das so gar nicht ein. Ich dachte, er meint Flugtickets, Häuser, Autos, Segeljachten usw. und durch mein "Nein", weil ich ja an das Flugticket dachte, zog ich mir unendlichen Zorn von diesem Mann zu!

Dann fragte er, ob ich wisse, was die Mutter beruflich mache. Der Ehemann der Mutter? Die Schwester? Ist sie jünger/älter, was macht sie beruflich usw. usf.

Wo wohnt Dein "spouse" zurzeit? Ich sagte ihm, dass er zurzeit bei Freunden wohnt.

Das machte den guten Mann wieder fuchsteufelswild. Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her und fragte dann, ob ich die Namen wisse. Ich sagte ihm, ich wisse nur die Vornamen.

"Right. Und woher kennt er die?!" fragte er drohend.

Ich sagte ihm, das seien Kollegen. (Allmählich kam ich mir vor wie bei einem Polizei-Verhör und überlegte, was ich denn Schlimmes getan haben könnte, dass dieser Mann so wütend war auf mich und SP?).

"Collegues!" spuckte er verächtlich aus. "You mean, he doesn't own a house?!" Wieder wurde ich böse angekuckt.

"No, he does not own a house. We wanna look for an appartment when I am there. One, that fits us both."

"And you know the first names only, but not their last names?"

Er notierte weiter alles auf seinem Block. Die Vornamen der Freunde. Dann sagte er, dass SP im Jail gewesen wäre für 5 Monate und warum und was ich darüber wisse. Ich sagte ihm, was ich darüber wusste. Das machte ihn rasend. "You did not know their names?"

"No." Warum sollte ich denn unbedingt die Namen wissen? SP sagt mir doch nicht die Namen von irgendwelchen Bekannten, ausser vielleicht mal deren Vornamen, aber dann muss das schon ein guter Bekannter sein, kein "roommate".

"War er vorher schon mal im Jail?" 

"Ja, wegen, what you call DUI."

Er nickte vielsagend.

Dann fragte er, wie wir im Moment in Kontakt stünden. Ich sagte ihm, dass wir täglich telefonierten. Wir telefonieren bis zu 5x täglich oder mehr.

Er fragte, wie lange wir über MSN gechattet hätten. Wahrheitsgemäss sagte ich ihm, 5-10 Std. täglich. Das schien er nicht zu glauben. Klingt wohl verrückt für jemand, der nicht oder selten chattet.

Dann hielt er mir wieder den WII unter die Nase und sagte: "Wusstest Du, dass Dein Spouse nur 11,000,-- $/Jahr macht?"

Ich schlug in meinen Unterlagen nach, dabei musste ich die Lese-Brille aufsetzen. Ich sagte, er hätte geschrieben, er macht 20,000,-- $ im Jahr.

"Was, Du weisst nicht, wieviel Dein Mann verdient?!"

Tja, guter Mann, in Deutschland rechnet man halt das Gehalt in Monaten, nicht in Jahren (obwohl sich das ja auch geändert hat in internationalen Firmen).

Ich sagte ihm also, dass ich nur danach gehen könne, was mein Mann mir an Unterlagen geschickt hat und dass die 11,000,-- $ ja nur quasi ein Halbjahresgehalt wären (was er ja ganz genau wusste, weil er mich ja nach den 5 Monaten "Jail" gefragt hatte).

Er grinste mich fies an und sagte: "Sorry, SOOO rechnen wir nicht. - Er verdient nicht genug. Du brauchst einen Joint-Sponsor. Weisst Du was ein Joint-Sponsor ist? - Well, den brauchst Du."

Er schrieb was auf einen Zettel. Dann sagte er, er will die "telephone reports" sehen und Bilder von mir und SP ZUSAMMEN. Ich sagte ihm, dass die telephone reports nur ein halbes Jahr zurückreichen und nur vom letzten Monat explizit aufgeschlüsselt wären. Und: "Wir können ja die Abrechnungen von SP schicken, die seit April angefallen sind." Er lächelte süffisant und meinte: "Das reicht nicht. Er verdient nicht genug." (Was ja nicht stimmt.)

Dann schob er mir den Zettel durch den Schalter und sagte, er behalte vorerst meinen Pass ein und ich müsse nun das beibringen, was er auf den Zettel geschrieben hatte: Telephone Reports und Fotos von mir und SP einreichen, sowie einen Joint Sponsor bringen (da könnte er genauso gut einen Lotto-Gewinn verlangen und ich wette, das weiss er auch).

Ich bekam dann noch einen Zettel mit der Adresse und Wegbeschreibung vom Arzt sowie eine Kopie von meinem Pass, die ich dort abgeben sollte, wo das "Medical" gemacht werden sollte. Obwohl ich am Boden zerstört war wegen dieser "Behandlung" und weil überhaupt keiner nach den Gründen für die Auswanderung oder was wir in den USA vorhatten, gefragt hatte, verabschiedete ich mich mit einem "Thank you."

Ich überlegte, ob ich überhaupt noch zu dem Medical gehen sollte. Aber entschied mich dann doch dafür. Ungefähr 10 vor 11 saß ich noch in der U-Bahn und war mir nicht sicher, ob ich das noch schaffen würde.

Natürlich lief ich erstmal an der Villa vorbei, wo dieser Arzt war. Also zurück. Mittlerweile war mir alles egal. Von der Rezeption erfuhr ich, dass sie länger da wären als nur bis 11 Uhr (Witzig?) und wurde nach oben geschickt, dann von 'ner sehr komischen Ärztin sehr komisch angetextet - ich wunderte mich über nichts mehr, auch nicht mehr darüber, wie seltsam die Leute in Frankfurt sind. Nach Bezahlung der Gebühren - 140,-- EUR - wurde ich nach unten geschickt. Dort wurde meine Lunge geröntgt.

Die Aufnahme bekam ich als CD mit. Die CD muss man bei der Einreise in die USA abgeben.

Danach untersuchte mich ein Arzt (schaute aber nicht ins Höschen, wie auf vielen Foren berichtet wird) und fragte wg. den Kinderkrankheiten/Impfungen. Schliesslich bekam ich einen DIN-A4-Bogen mit, welche Impfungen ich benötige bzw. Nachweis über Anti-Körper über die entsprechenden Krankheiten.

Danach fuhr ich zum Hauptbahnhof und gönnte mir erst mal im überfüllten (sind die in Hbfen eigentlich immer überfüllt? Wenn ja, warum sind dort nicht 2 oder 3 davon?) McDonalds einen 1955 Burger. Ich setzte mich an einen Fensterplatz und schaute zu, wie 3 örtliche "Heiopeis" vor einem seltenen Mercedes standen, Marke "Zuhälterschlitten". Danach ging ich vor die Tür und rauchte eine und hörte ihnen - gezwungenermassen - zu, wie sie darüber debattierten, dass das die "Karre von so und so" wäre und wo der denn sei. Angeblich im McDo... aber sie hatten ihn nicht entdecken können drinnen. Also riefen sie ihn über Handy an. Keine Ahnung, warum sie ihn "trackten" oder seinen Mercedes.

Aber sie kamen mir doch reichlich retardiert vor. Ganz Frankfurt kam mir retardiert vor. Es war erst so 1 Uhr, keine Ahnung, wie ich die Zeit bis 19.40 Uhr totschlagen sollte.

Eigentlich hatte ich geplant, mir das berühmte Bankenviertel und die Börse anzuschauen, aber für einen Spaziergang war es entschieden zu kalt. Ich holte erstmal meine Sachen aus dem Schliessfach und setzte mich dann auf eine Bank im Hbf. Da war es auch noch sehr kalt. Ich beobachtete ein wenig die Leute. Komische Freaks rannten da rum.

23.11.10 18:57

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